Interview

»Alle sollten die Chance dazu bekommen, Auslands­erfahrungen sammeln zu können.«

Alina Kierek hat selbst einen Freiwilligendienst in Kolumbien geleistet und dabei tolle und prägende Erfahrungen sammeln können. Heute setzt sie sich als Projektleiterin bei Careleaver Weltweit dafür ein, dass Careleaver bei ihrem Vorhaben, ins Ausland zu gehen, individuell unterstützt werden.

Hallo Alina! Welche drei Aussagen beschreiben dich am besten?

Ich bin ein sehr proaktiver, offener und herzlicher Mensch. Ich liebe Fahrrad fahren und gutes Essen. Und ich habe ein Faible für Lateinamerika.

Wir würden gerne wissen: wie ist es zum Projekt Careleaver Weltweit gekommen?

Ich habe selber einen Freiwilligendienst bei einer Careleaver-Organisation in Kolumbien geleistet und bin im Anschluss als Werkstudentin bei der Drosos Stiftung gelandet. Dort haben wir uns intensiver damit beschäftigt und weil es sich um eine strukturelle Benachteiligung handelt, entschieden, dass es ein Stipendienprogramm für Careleaver, die Auslandserfahrungen sammeln möchten, geben sollte. Auf Grundlage meiner persönlichen und der Erfahrungen zweier Careleaver, die in Eigenregie einen Freiwilligendienst in Chile und Südafrika geleistet haben, haben wir das Projekt Careleaver Weltweit entwickelt und passen es jetzt nach und nach an.

»Je breiter wir das Angebot gestalten, desto mehr Leute können wir erreichen.«

Und was macht Dir an Deinem Job am meisten Spaß?

Der direkte Kontakt zu unseren »Stippies« – so nennen wir liebevoll unsere Stipendiat*innen – wenn sie zu uns nach Berlin kommen und wir Seminareinheiten oder Beratungstermine haben. Und zu sehen wie unser Einsatz sich bei denen, die jetzt schon im Ausland sind, ausgezahlt hat! Das wärmt mir ziemlich das Herz und freut mich total, dass wir Leuten diese Erfahrungen ermöglichen können.

Was ist für Dich das Besondere an der Initiative Brückensteine Careleaver?

Das Entscheidende für mich ist einerseits, dass unterschiedliche Bedarfe der Zielgruppe abgedeckt werden: wir versuchen alle Hindernisse, die Careleaver auf dem Weg in die Eigenständigkeit haben, zu adressieren. Und andererseits, dass die Projekte so eng miteinander verknüpft sind und im Verbund miteinander arbeiten, um eine stärkere Wirkung zu erzielen und dass das ganze durch arkadiko koordiniert und abgesichert ist. Ich glaube, das ist ein Alleinstellungsmerkmal der Initiative.

Alina Kierek, Projektleiterin Careleaver Weltweit

»Zu sehen wie sich unser Einsatz bei denen, die jetzt schon im Ausland sind, ausgezahlt hat, erwärmt mir das Herz.«

Welche war die beste Entscheidung in Deinem Leben und welche würdest Du lieber wieder rückgängig machen?

Die beste Entscheidung war mich auf den Freiwilligendienst zu bewerben, denn alles was danach passiert ist – dass ich in Kolumbien und in einer Careleaver-Organisation gelandet bin – hat mein ganzes Leben nachhaltig bestimmt. Ich würde keine Entscheidung rückgängig machen wollen, denn alles hat mich dahin geleitet, wo ich jetzt bin. Das ist es auch, was mich so für das Projekt brennen lässt: weil ich erfahren habe, wie viel Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit einem die Auslandserfahrung bringen kann und ich finde nur fair, wenn alle Leute, die das gerne erleben möchten, auch die Chance dazu bekommen.

Und zuletzt: Was wird Euer nächstes Vorhaben oder Meilenstein im Projekt?

Das startet gerade schon mit dem Trägerwechsel zur Kreuzberger Kinderstiftung, den wir im Dezember 2019 gemacht haben, denn bisher hatten wir ja nur Auslandsfreiwilligendienste für Careleaver im Angebot. Die Kreuzberger Kinderstiftung hat auch ein großes Stipendienprogramm für jüngere Leute, die ein Schuljahr im Ausland machen wollen und das möchten wir jetzt auch für Carereceiver, also Leute, die sich noch in der stationären Unterbringung befinden, anbieten. Wir glauben, je breiter wir das Angebot an Auslandsformaten gestalten, desto mehr Leute können wir auch erreichen!